von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang A. Herrmann
Im Münchner Stadtteil Freimann gibt es die Bauernfeindstraße, an der TUM den "KMVB - Karl Max von Bauernfeind Verein zur Förderung der Technischen Universität München e.V.", dessen Zweck die ideelle und materielle Unterstützung und Förderung der TUM in Wissenschaft, Forschung und Lehre sowie Bildung und Erziehung im Inland und im Ausland ist. Seit 1997 zeichnet die TUM verdiente Mitarbeiter mit der Karl Max von Bauernfeind-Medaille aus. Wer war Karl Max von Bauernfeind?
Karl Max von Bauernfeind (1818-1894) war von 1868 bis 1890 Professor in der Ingenieurabteilung der damaligen "Polytechnischen Schule" und bis 1874 der erste Direktor der 1868 gegründeten und bis heute einzigen Technischen Hochschule Bayerns. Dieses Amt hatte er erneut von 1880 bis 1889 inne.
Nach seiner Schulzeit in der Landwirtschafts- und Gewerbeschule in Wunsiedel erhält der gebürtige Arzberger ein Stipendium, um zunächst an die Realschule Nürnberg und dann an die dortige Polytechnische Schule zu wechseln. Seine Studien als Ingenieur vollendet er in München, die Staatsprüfung im Ingenieurfach besteht er bei der Obersten Baubehörde. Praktische Berufserfahrung gewinnt Bauernfeind beim Bau der Ludwig-Süd-Nord-Bahn im Fichtelgebirge und als Mitarbeiter in der Generaldirektion bei der Königlichen Eisenbahn. Seinen Doktortitel erwirbt er in der Philosophischen Fakultät der Universität Erlangen mit einer Arbeit über Planimeter (1853). Nach seiner Tätigkeit in verschiedenen technischen Kommissionen Bayerns wechselt er zur neu gegründeten "Königlich Polytechnischen Schule München", als deren erster Direktor er vom zuständigen Staatsminister alle Gestaltungsvollmachten erhält bis hin zum Ernennungsvorschlag für die neuen Professoren. Darunter befinden sich so herausragende Wissenschaftler wie Ludwig Erlenmeyer (Chemie), Johann Bauschinger (Technische Mechanik), Gottfried Neureuther (Höhere Architektur) und Carl von Linde (Theoretische Maschinenlehre).
Die wissenschaftlich-technische Tätigkeit Bauernfeinds war vielseitig, hauptsächlich aber im Vermessungswesen beim Eisenbahn- und Brückenbau angesiedelt. Sein zweibändiges Standardwerk "Elemente der Vermessungskunde" erschien bis 1890 in sieben Auflagen. Nach den Worten seines Lehrstuhlnachfolgers Max Schmidt soll Bauernfeind ein "Mann mit ausgeprägter Charakterfestigkeit" und "rastloser Energie" gewesen sein. Im Rahmen der europäischen Gradmessung ist das Bayerische Präzisions-Nivellement mit seinem Namen verbunden. Es wurde 1893 mit 3600 Kilometer nivellierten Linien vollendet und erst 1957 durch ein neues System abgelöst. In seiner Rektoratsrede am 19. Dezember 1868 sah Bauernfeind den Auftrag der neuen Hochschulen darin, dass sie "die exacten Wissenschaften und deren Anwendung auf alle Zweige der höheren Technik ... Iehren", und sie sollten "den zündenden Funken der Wissenschaft" der industriellen Welt bringen. Dieser Auftrag ist zeitlos, und ihm sind wir auch heute verpflichtet. Karl Max von Bauernfeind ist auf dem Alten Nördlichen Friedhof unweit seiner Wirkungsstätte begraben. Den Kampf um das Promotionsrecht für seine Technische Hochschule übernahm nach seinem Tod der Chemiker Emil Erlenmeyer. 1901 verlieh Prinzregent Luitpold der TH das Promotionsrecht. Seither gibt es den "Dr.-lng.", dessen glanzvollen Ruf wir erhalten wollen. |
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